Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Basescu darf vorerst nicht in sein Amt zurückkehren“ vom 3. August 2012, von Karl-Peter Schwarz

 

„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“, Friedrich der Große

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Basescu darf vorerst nicht in sein Amt zurückkehren“ vom 3. August 2012, von Karl-Peter Schwarz.

Der Artikel enthält, wie immer beim FAZ-Südosteuropakorrespondenten, eine Reihe von sachlichen Fehlern und Falschinformationen.

Karl-Peter Schwarz behauptet, „dass die Entscheidung des rumänischen Verfassungsgerichts“ am 12. September stattfindet. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Das Verfassungsgericht wird am 31. August 2012 seine Entscheidung verkünden.

Quelle: PeSurse.ro

http://pesurse.ro/#/2012/08/03/ccr–se-va-pronuna-pe-31-august-pe-referendum-bses/

Karl Peter Schwarz behauptet, „dass es bei der Sitzung des Gerichts zu einem Eklat gekommen sein sollte“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Das Verfassungsgericht traf sich zunächst am Mittwochnachmittag und beschloss einstimmig, die Sitzung am Donnerstag erneut anzusetzen.

Karl Peter Schwarz behauptet, „dass die große Mehrheit für die Absetzung Basescus votierte“. Diese Behauptung ist zwar inhaltlich richtig aber unvollständig. Am 29. Juli votierten 87.52% bzw. 7.403.836 Millionen Wahlberechtigte von insgesamt 16 Millionen registrierte Wähler, für die Absetzung des Staatspräsidenten.

Karl Peter Schwarz behauptet, dass „das vom Parlament beschlossene Amtsenthebungsverfahren der Verfassung widerspreche. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Die Absetzung des Staatspräsidenten ist in der Verfassung im Art. 95 vorgesehen.

Nachfolgend das Amtsenthebungsverfahren:

ARTICOLUL 95 – Suspendarea din functie
(1) In cazul savarsirii unor fapte grave prin care incalca prevederile Constitutiei, Presedintele Romaniei poate fi suspendat din functie de Camera Deputatilor si de Senat, in sedinta comuna, cu votul majoritatii deputatilor si senatorilor, dupa consultarea Curtii Constitutionale. Presedintele poate da Parlamentului explicatii cu privire la faptele ce i se imputa.
(2) Propunerea de suspendare din functie poate fi initiata de cel putin o treime din numarul deputatilor si senatorilor si se aduce, neintarziat, la cunostinta Presedintelui.
(3) Daca propunerea de suspendare din functie este aprobata, in cel mult 30 de zile se organizeaza un referendum pentru demiterea Presedintelui.

Das Amtsenthebungsverfahren ist verfassungskonform. Das rumänische Verfassungsgericht hat dies in seiner Entscheidung Nr. 731 vom 10 Juli 2012 bestätigt. Es gibt im FAZ-Leserdienst Mitarbeiter, welche sowohl rumänisch als auch deutsch sprechen, lesen und verstehen. Diese werden höfflich darum gebeten, bei Gelegenheit Karl-Peter Schwarz die Entscheidung 731 vom 10. Juli 2012 vorzulesen oder in der Form und Gestalt vorzulegen, so dass Karl-Peter Schwarz in Wort und Schrift diese verfassungsrechtlichen Inhalte einwandfrei verstehen kann. Wir bedanken uns ganz herzlich im Voraus.

Die Entscheidung kann unter dieser Quelle abgerufen werden:

http://www.ccr.ro/decisions/pdf/ro/2012/D0731_12.pdf

In einer anderen Entscheidung hat das rumänische Verfassungsgericht am 9. Juli 2012 die Verfassungsbeschwerde der Demokratisch-Liberalen Partei PDL betreffend die parlamentarische Abwahl des Senatspräsidenten Blaga und der Vorsteherin der Abgeordentenkammer Anastase abgewiesen.

Folglich ist die Abwahl Blagas und Anastase vom 3. Juli 2012 verfassungskonform.

Die Presseerklärung vom 9 Juli 2012 kann unter dieser Quelle abgerufen werden:

http://www.ccr.ro/default.aspx?page=press/2012/9iulie

In der gleichen Sache sollte man auch die Presseerklärung vom 10. Juli 2012 lesen:

Quelle: http://www.ccr.ro/default.aspx?page=press/2012/10iulie

Bei dieser Gelegenheit möchten wir Karl-Peter Schwarz daran erinnern, dass seine Behauptung, am 3. Juli 2012 in Rumänien einen „Putsch stattgefunden habe“, inhaltlich falsch ist. Die Entscheidungen über die Verfassungsmäßigkeit der Absetzung des Senatspräsidenten Blaga und der Vorsteherin der Abgeordnetenkammer Anastase können unter dieser Quelle abgerufen werden.

Quelle: http://www.ccr.ro/default.aspx?page=press/2012/12iulie

Im gleichen Zusammenhang möchten wir auch Karl-Peter Schwarz daran erinnern, dass am Morgen des 3. Juli, also vier Zeitstunden vor der Sondersitzung des Senats und sechs Zeitstunden vor der Sondersitzung der Abgeordnetenkammer, die Vorstände des Senats und der Abgeordnetenkammer mit großer Mehrheit für die Abhaltung einer parlamentarischen Sitzungswoche abgestimmt haben. An der besagten Sitzung waren alle Mitglieder der Vorstände anwesend, es gab keine Enthaltungen und es gab lediglich drei Gegenstimmen.

Folglich haben drei Mitglieder der PDL, also der Basescu-Partei, für die Abhaltung der parlamentarischen Sitzungswoche abgestimmt. Des Weiteren haben für die Abhaltung der parlamentarischen Sitzungswoche sowohl Senatspräsident Blaga, als auch Anastase zugestimmt. Folglich haben Blaga und Anastase der Sitzung zugestimmt, welche als einzigen Tagesordnungspunkt die Abwahl des Senatspräsidenten und der Vorsteherin der Abgeordentenkammer hatten.

Ein Beispiel aus dem Leben: wenn ein Drittel der Aktionäre einer Aktiengesellschaft sich für eine Sondersitzung der Aktionärsversammlung einsetzt und diese auch vom Vorstand der AG einberufen wird und im Rahmen der Aktionärsversammlung der Vorsitzender der Aktiengesellschaft abgewählt wird und an seiner Stelle die Versammlung einen neuen Vorsitzenden wählt, dann ist dieser Vorgang rechtlich einwandfrei.

Das Protokoll der Sitzung kann hier abgerufen werden:

http://www.cdep.ro/bp/sedinte.steno?ids=619&idp=13457

Die wichtigsten Passagenaus dem Protokoll vom 3. Juli 2012:

  • Senatul nu poate lucra decât în cvorum, inclusiv în Biroul permanent, deci…
  • Domnule preşedinte, dar suntem în cvorum.
  • Suntem în cvorum toţi.
  • Deci, în temeiul prevederilor art. 66 alin. (2) din Constituţia României şi al art. 89 din Regulamentul şedinţelor comune ale Camerei Deputaţilor şi Senatului, Grupurile parlamentare ale PSD şi PNL solicită organizarea unei şedinţe comune a Birourilor permanente ale celor două Camere ale Parlamentului, astăzi, la 9.30 pentru convocarea în sesiune extraordinară a unei şedinţe a Parlamentului, în data de 3 iulie 2012, adică astăzi, iar pe ordinea de zi propun cererea Grupurilor parlamentare ale PSD şi PNL din Camera Deputaţilor şi Senat de revocare a domnului Gheorghe Iancu din funcţia de Avocat al Poporului, ca urmare a încălcării Constituţiei şi a legii.
  • Mandatul Avocatului Poporului este pe 4 ani. Scrie clar în ce condiţii poate fi revocat – dacă încalcă Constituţia, legile şi aşa mai departe.
  • Dar prima dată trebuie să aprobaţi sesiunea extraordinară.
  • Sunt intervenţii? Da, da, da, e în regulă.
  • Sunt intervenţii pe cele două…? Nu sunt.
  • Atunci, supun votului dumneavoastră convocarea sesiunii extraordinare pentru astăzi, 3 iulie 2012, ora 14.00.
  • Voturi pentru? 14 voturi pentru.
  • Voturi împotrivă? 3 voturi împotrivă.
  • A fost convocată sesiunea extraordinară pentru ora 14.00.
  • Supun votului dumneavoastră convocarea Comisiilor juridice – este ora 10.00 – pentru ora 11.00, ca să aibă timp să-şi facă datoria.
  • Vă rog.
  • Voturi pentru? 16 voturi pentru.
  • Voturi împotrivă? 3 voturi împotrivă.
  • Deci, la ora 11.00 se vor reuni Comisiile juridice. Rog să fie făcute procedurile.
  • Ne vedem în sesiunea extraordinară a Camerei Deputaţilor şi Senatului la ora 14.00.

Eine weitere Anmerkung. Karl-Peter Schwarz behauptete am 27.07.2012, „dass Rumänien sich in Zeiten Ceausescus zurückentwickelte“. Das Interview wurde vom rechtsintellektuellen Kreis „InLinieDreapta“ (Auf der Rechten Linie) im Internet ausgestrahlt. Der Zirkel „InLinieDreapta“ betrachtet sich als Neokonservativ. Der Zirkel versteht sich als Bastion „gegen alles Linke“, darunter versteht man sowohl die rumänische Sozialdemokratie als auch die rechtsbürgerliche Nationalliberale Partei.

Zwei Fragen an die FAZ:

1). Sind solche Interviews mit dem Status des Sudosteuropakorrespondenten vereinbar?
2). Wurde das Interview vom Herausgebergremium der FAZ autorisiert?

Das Video kann unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.youtube.com/watch?v=aDLA63-UaLA

Fazit: Es gab in Rumänien zwischen 3. Juli und 3. August weder einen Staatsstreich, noch einen Putsch, noch wurde irgendeine Verfassungsinstitution in ihrer Funktion eingeschränkt.

Karl-Peter Schwarz möge unsere Intelligenz nicht mehr beleidigen und Halbwahrheiten, Falschinformationen und Lügen in die Welt streuen.

Die Glaubwürdigkeit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat massiv gelitten. Beim Referendum haben die Deutschrumänen massiv für die Absetzung Basescu abgestimmt.

Die Zahlen im Auslandwahlkreis sprechen für sich. Nachfolgend die Stimmen aus dem Referendum 2012 und der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen vom 6. Dezember 2009.

  • Österreich (2012): 1.115 Stimmen „JA“ – 468 Stimmen für „NEIN“
  • Österreich (2009): 542 Stimmen für Geoana – 1.631 Stimmen für Basescu
  • Belgien (2012): 2.123 Stimmen „JA“ – 520 Stimmen für „NEIN“
  • Belgien (2009): 949 Stimmen für Geoana – 3.312 Stimmen für Basescu
  • Kanada (2012): 1.723 Stimmen für „JA“ – 189 Stimmen für „NEIN“
  • Kanada (2009): 538 Stimmen für Geoana – 2.393 Stimmen für Basescu
  • Frankreich (2012): 3.358 Stimmen für „JA“ – 1.071 Stimmen für „NEIN“
  • Frankreich(2009): 1.324 Stimmen Geoana – 4.959 Stimmen für Basescu
  • Deutschland (2012): 3.349 Stimmen für „JA“ – 671 Stimmen für „NEIN“
  • Deutschland (2009): 1.115 Stimmen für Geoana – 2.779 Stimmen für Basescu
  • Italien (2012): 14.318 Stimmen für „JA“ – 3.287 Stimmen für „NEIN“
  • Italien (2009): 9.451 Stimmen für Geoana – 33.058 Stimmen für Basescu
  • Großbritannien (2012): 3.599 Stimmen für „JA“ – 729 Stimmen für „NEIN“
  • Großbritannien (2009): 1.258 Stimmen für Geoana – 4.701 Stimmen für Basescu.

Die Kampagne dieser Zeitung gegen Ponta, die Kampagne dieser Zeitung gegen Antonescu, die Kampagne dieser Zeitung gegen den rumänischen Souverän, die Kampagne dieser Zeitung gegen die Sozial Liberale Union war ein totaler Fehlschlag!

Die Auslandsrumänen werden auch zukünftig sämtliche EVP-Parteien (CDU, CSU, CDA, OVP) an der Wahlurne bestrafen.

In der Bundesrepublik werden die Deutsch-Rumänen, 680.000 Wahlberechtigte, bei der Bundestagswahl mit der Erststimme Crin Antonescu und mit den Zweitstimmen die FDP wählen. Für diese Wahlentscheidung wird es keine Rolle spielen, ob die FDP gut oder schlecht in den Umfragen stehen wird. Für diese Wahlentscheidung wird es keine Rolle spielen, wer im September 2013 Parteivorsitzender der FDP sein wird. Für die Wahl zugunsten der FDP wird wohl nur die Erkenntnis und die Gewissheit eine entscheidende Rolle spielen, dass mit dem Stimmzettel die antirumänische Kampagne dieser Zeitung bestraft wird und bestraft werden muss.

Und eine aus den Ruinen wiedergeborene Freie Demokratische Partei wird alles Mögliche unternehmen, der großkoalitionären Aritmethik einen Strich durch die Rechnung zu ziehen.

Die FDP wird nach der Bundestagswahl 2013 eine Art Fukushima-Partei im starren und konsenssüchtigen deutschen Parteiensystem sein. Und beide Stimmen für die FDP werden auch genügend Überhangsmandate generieren.

Danke FAZ für die hervorragende Pressearbeit während der letzten vier Wochen! Jung und Alt haben Dich gelesen, Deutsche und Rumänen haben Dich gelesen und 88% haben mit JA-Abgestimmt! Danke FAZ!

Danke Karl-Peter Schwarz für Deine tollen Interviews in Bukarest! Danke Karl-Peter Schwarz für Deine feinausgewählten Gesprächspartner in Bukarest! Danke Karl-Peter Schwarz für Deine gutrecherchierten Artikel, welche Pressegeschichte geschrieben haben und mit Sicherheit den Pulitzerpreis 2012 gewinnen werden! Danke Karl-Peter Schwarz!

Bei der Bundestagswahl 2013 beide Stimmen für die FDP! Erstimme für Präsident Antonescu und Zweistimme für die Freiheit! Mit der Erstimme Karl-Peter Schwarz abwählen und mit der Zweistimme den liberalen Kreuzzug für Wahrheit und Gerechtigkeit fortsetzen!

Leserwiderspruch und Aufforderung zur Gegendarstellung betreffend des FAZ-Artikel „Rumäniens Regierung leitet Amtsenthebung Basescus ein“ vom 05. Juli 2012, von Karl-Peter Schwarz

„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“, Friedrich der Große

Leserwiderspruch und Aufforderung zur Gegendarstellung betreffend des FAZ-Artikel „Rumäniens Regierung leitet Amtsenthebung Basescus ein“ vom 05. Juli 2012, von Karl-Peter Schwarz.

Der Artikel „Rumäniens Regierung leitet Amtsenthebung Basescus ein“ vom 05. Juli 2012 von Karl-Peter Schwarz enthält inhaltliche Fehler und grobfahrlässig verbreitete Falschinformationen. Das Material ist in der Tendenz verfremdet und widerspricht in grober Art und Weise den Tatsachen.

Der FAZ-Herausgeber ist zur Beachtung der publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserates (Pressekodex und Richtlinien) verpflichtet.

Die materiellen Voraussetzungen eines Berichtigungsanspruchs auf die Beseitigung der Folgen einer Rechtsverletzung gerichteten Anspruchs (vgl. Wenzel/Gamer, „Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung“, 5. Auflage, 13. Kap. Rdn. 6a m. w. Nachw.) liegen vor.

Gemäß § 10 Abs. 1 des Hessischen Pressegesetzes (HPresseG) ist der Verleger eines periodischen Druckwerks zum Abdruck einer Gegendarstellung verpflichtet, soweit der den Abdruck Verlangende durch eine Tatsachenbehauptung betroffen ist. Die Gegendarstellung muss sich als Entgegnung auf die in der Erstmitteilung enthaltene Tatsachenbehauptung darstellen (Seitz-Schmidt, „Der Gegendarstellungsanspruch“, 4. Aufl., Kap. 6 Rdn. 1; Burkhardt, in: Wenzel, Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl., Rdn. 11.100; Sedelmeier, in: Löffler, PresseR, 5. Aufl., Rdn. 11.126). Dieser Umstand liegt vor. Der Tatbestand der Verbreitung von falschen Tatsachen ist vollumfänglich erfüllt.

Die Gegendarstellung sei Folge zu leisten.

Die Begründung lautet wie folgt:

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „…bis auf den Verfassungsgerichtshof, der sich am Dienstag vehement zur Wehr setzte, und den Präsidenten sind damit alle Schlüsselpositionen des rumänischen Staates in den Händen der USL.“ Diese Behauptung ist inhaltlich falsch und verletzt grobfahrlässig die publizistischen Grundsätze de Deutsche Presserates.

Citeste la Dreapta!
Citeste AliantaDreptei

Tatsache ist, dass sich in Folge des Rumänischen Volksaufstandes vom 13. Januar 2012 die politische Lage in Rumänien grundlegend gewandelt hat. Der Rumänische Volksaufstand vom 13. Januar 2012 hat die Sozial Liberale Union USL politisch und verfassungsrechtlich legitimiert, einen grundlegenden Politikwandel durchzusetzen. Gemäß dem obersten Prinzip der Verfassung geht die Macht vom Volke aus. Das Volk, der Wähler, die Wählerschaft, der Citoyen ist der Träger der Staatsgewalt. Die institutionelle Macht wird vom Volk dem jeweiligen Amtsträger für eine bestimmte Zeit geliehen. Es gibt weder Macht auf Ewigkeit, noch absolute Wahrheit.

Seit dem 6. Dezember 2009 wird Rumänien im Stil eines autoritären neobonapartistischen chavez-franquistischen Regimes regiert. Die Grundrechte werden auf gröbste Art und Weise verletzt. Hunger, Armut und Not paart sich mit Angst und politische Verfolgung Andersdenkender. Die Regierungspartei Demokratisch-Liberale Partei PDL hat sich von einer sozialdemokratischen Partei PD zu einer nicht-ideologischen Staatspartei gewandelt. Es sind seit 2007 mehrere Versuche unternommen worden, Rumäniens älteste politische Partei, die Nationalliberalen PNL, mittels Zwangsfusion politisch zu eliminieren. Als historisches Vorbild dient die Zwangsfusion zwischen der KPD und SPD. Die Zwangsfusion ist am erbitterten antitotalitären Widerstand der Nationalliberalen gescheitert.

Als Folge des autoritären Regimes, haben sich im Februar 2010 die verbliebenen demokratischen Parteien, die Sozialdemokratische Partei SPD und die National-Liberalen Partei PNL, zu einem gleichberechtigten Parteien- und Wahlbündnis namens Sozial-Liberale Union USL verbündet.

Politisches Ziel der USL ist klar und einfach: das Beenden des sozialen Genozids und die Absetzung durch freie und gerechte Wahlen und Parlamentsabstimmungen des autoritären neobonapartistischen chavez-franquistischen Regime.

Eine neue, demokratische und verfassungskonforme Parlamentsmehrheit wurde mittels des Misstrauensvotums am 27.04.2012 erreicht. Das Kabinett Ungureanu wurde mittels einer verfassungskonformen Parlamentsabstimmung abgesetzt. Am 07.05.2012 wurde die Regierung der Nationalen Einheit aus der National Liberalen Partei und der Sozialdemokratischen Partei gebildet und vom Parlament ins Amt eingesetzt. Die neue Regierung Ponta, die Regierung der Nationalen Einheit sind bei dem Kommunalwahlen vom 10.06.2012 vom Souverän mit einer überwältigen Mehrheit bestätigt. 85% aller Kommunalmandate wurden von der USL gewonnen.

Folglich gibt es eine neue „Fronstellung zwischen der amtierenden Regierung, parlamentarischen Regierungsfraktion gegenüber der parlamentarischen Oppositionsfraktion.“ (Klaus Stern, Staatsrecht, Band I, 2. Auflage, S. 1027, München, 1984.)

Folglich spiegeln sich die neuen Mehrheitsverhältnisse auch auf der administrativen Ebene der organisierten Staatlichkeit. Eine Absicht seitens der Regierung Ponta, „den Verfassungsgerichtpräsident abzusetzen“, hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch und verletzt grobfahrlässig die publizistischen Grundsätze des Deutsche Presserates.

Nachfolgend erhalten die Leser die Begründung des Verfassungsgerichts betreffend das Amtsenthebungsverfahren vom 03. Juli 2012.

“Aviz consultativ nr/1/6 iulie 2012 al CC
(i) substituirea in rolul premierului, in episodul 7 mai 2010, poate fi retinuta ca o incercare (nn – deci nu un fapt) de diminuare a rolului si atributiilor premierului, care nu poate fi incadrata in conceptul „opinii si optiuni politice“ (fila 12);
(ii) insultele repetate la adresa comu.nitatii rome si la adresa persoanelor cu dizabilitati sunt declaratii pe care Parlamentul le va putea constata ca existente si grave in urma dezbaterilor (fila 15, ultimul paragr);
(iii) Curtea isi afirma dezaprobarea cu privire la formularea de acuzatii, etichetari jignitoare si insulte la adresa exponentilor autoritatilor publice in legatura cu activitatea desfasurata de ei (e vorba de acuzatii, etichetari si insulte ale presedintelului) – fila 22, primul paragr;
(iv) afirmatiile relative la pensionari, la bugetari, la mamici, etc., care ar fi „omul gras cocotat pe umerii omului slab, economia Romaniei“ sunt declaratii politice pentru care Traian Basescu ramine responsabil, din punct de vedere politic si moral, in fata electoratului si a societatii civile; […] Curtea constata ca dl presedinte nu si-a exercitat cu maxim eficienta si eficienta functia de mediere intre puterile statului precum si intre stat si societate.”

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass das Referendumsgesetzt von der Mehrheit geändert worden ist. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch und verletzt grobfahrlässig die publizistischen Grundsätze de Deutsche Presserates. Tatsache ist, dass das Referendumsgesetzt gemäß dem Verfassungsgerichtsurteil mit der Nr. „01/2007“ korrigiert und geändert worden ist.

Der Staatspräsident wird mit der Mehrheit der an den Wahlurnen beteiligten Wähler gewählt. Folglich kann die Absetzung des amtierenden Staatspräsidenten auch nur mit der Mehrheit der an den Wahlurnen beteiligten Wähler abgewählt werden. Diese und allein nur diese Gesetzesbestimmung wurde von der Regierungsmehrheit geändert.

Abschließend stellt der Antragssteller fest, dass die Verfassungsänderungen verfassungskonform sind. Die Regierungsmehrheit hat eine „verfassungsachtende Verfassungsdurchbrechung“ parlamentarisch durchgesetzt. (Carl Schmitt, „Verfassungslehre“, S. 100,10. Auflage, Berlin, 2010.)

Der Rumänische Aufstand vom 13. Januar 2012 setzt sich politisch in der Konterrevolution der Freiheit vom 3. – 6. Juli 2012 fort. Gott stehe uns bei!

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Streit über Vertretung Rumäniens bei EU-Gipfel eskaliert“ vom 28. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz

„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“, Friedrich der Große

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Streit über Vertretung Rumäniens bei EU-Gipfel eskaliert“ vom 28. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz

Der Artikel enthält, wie immer beim FAZ-Südosteuropakorrespondenten, eine Reihe von sachlichen Fehlern und Falschinformationen.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „zum ersten Mal seit dem Sturz des Diktators Nicolae Ceausescu 1989 sich ein rumänischer Ministerpräsident nicht an einem Spruch des Verfassungsgerichts“ hält. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Der Spruch des Verfassungsurteils ist rechtlich mehr als fraglich. Das Verfassungsgericht darf nicht die Verfassung ändern. Die rumänische Verfassung vom 2003, sanktioniert durch das Verfassungsreferendum vom 12.-13. Oktober 2003, kennt das Amt des Staatsoberhauptes nicht. Laut Art. 80 Abs. 1, Satz 1 vertritt der rumänische Staatspräsident den Staat auf internationalen Konferenzen. Mehr sagt die Verfassung nicht. Eine politische Vertretung auf einer internationalen Konferenz oder Tagung bedarf einer vorherigen Abstimmung mit dem Premier erfolgen. Der rumänische Premier muss wiederum mit einem parlamentarischen Mandat ausgestattet werden. Die verfassungsrechtliche Legitimation der außenpolitischen Vertretung auf dem internationalen Parkett basiert nur nach einer parlamentarischen Abstimmung. Das Parlament hat der rumänischen Regierung der Nationalen Einheit, gebildet aus Sozialdemokraten und Nationalliberalen, ein entsprechendes Mandat erteilt. Der Spruch des Verfassungsgerichts war auch nicht rechtsgültig, da dieser nicht in Kraft getreten war.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „dies sei das erste Mal seit 1990, dass sich ein rumänischer Ministerpräsident sich Befugnisse des Präsidenten anmaße“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Durch die Entscheidung des Verfassungsgerichts war die verfassungsmäßige Ordnung und die Gewaltenteilung zwischen den einzelnen Institutionen außer Kraft gesetzt worden. Der rumänische Ministerpräsident musste Kraft seines Amtes das Votum des Parlamentes befolgen und in Brüssel teilnehmen. Das Recht auf Wiederherstellung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung beruft sich historisch auf die germanische Lehre des Widerstandes gegenüber einer Pflichtverletzung eines Herrn gegenüber einem Beherrschten. In diesem Fall musste Ministerpräsident Ponta das „Recht realpolitischer Kräfte“ gegenüber „tyrannus quod exercitium“ (Klaus Stern, „Staatsrecht“, Band 1, 2. Auflage, München, 1984) durchsetzen. Es gilt der Grundsatz „Macht gegen Unrecht“. Jellinek sieht in diesen Grundsatz ein „erhöhtes formelles verfassungsgeltendes Gesetz“, welches die Entscheidung des Verfassungsgerichts außer Kraft setzt (Jellinek, „Allgemeine Staatslehre“, S. 534).

In der rumänischen Geschichte gab es bereits mehrere Fälle, wo die Regierung und die parlamentarische Mehrheit Tyrannen und Diktatoren gestürzt haben. 1866 haben Nationalliberale und Konservative den autoritären Fürsten Cuza gestürzt. Cuza regierte zwischen 1859-66 wie ein byzantinischer Despot; er schaffte den Senat als parlamentarische Kammer ab, enteignete reiche Landgrundbesitzer und verteilte das Land an Freunde und Verwandte. 1866 musste Cuza abdanken und die Nationalliberalen entschieden sich für die Einführung der parlamentarischen Monarchie unter der Führung des jungen preußischen Offiziers Karl von Hohenzollern. Die Einführung der parlamentarischen Monarchie kann als historischer Glücksfall angesehen werden. Unter der Herrschaft des Karl I. wurde Rumänien von Grund auf modernisiert. Erst durch die Aufteilung der hegemonialen Interessensphären in Folge der Jalta Konferenz und der Zuteilung Rumäniens der sowjetischen Machtsphäre, wurde die erste Modernisierung Rumänien beendet.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „Rumänien eine semi-präsidentielle Republik sei“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Der FAZ-Südosteuropakorrespondent möge die Intelligenz der Leserschaft dieser Tageszeitung nicht mehr beleidigen und die politikwissenschaftliche Fachliteratur bei Gelegenheit konsultieren. Eine parlamentarisch-präsidentielle Republik besitzt folgende Merkmale:

  1. Das Parlament kann die Regierung und den Ministerpräsidenten abberufen. Dies gilt auch für die rumänische Verfassung.
  2. Der Premierminister kann dem Parlament eine Vertrauensfrage stellen. Dies gilt ebenfalls für die rumänische Verfassung.
  3. Die Parlamentswahl und die Bestellung der Regierung sind miteinander verflochten. Das Volk wählt das Parlament und den Präsidenten. Dies gilt ebenfalls für die rumänische Verfassung.
  4. Die Regierungsspitze kann das Parlament auflösen. Dies gilt nur im Falle, wenn ein Ministerpräsident zwei Mal die Vertrauensabstimmung im Parlament verloren hat.

Im Schrifttum wird eine parlamentarisch-präsidentielle Republik nach dem Merkmal der „zweigleisigen Legitimationsschiene“ eingestuft. (Grafik und Text nach Steffen Kailiz, „Typologisierung von Regierungsformen“, S. 56ff, Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2010, Heft 1, 47-77). Somit ist Rumänien eine parlamentarisch-präsidentielle Republik.

Karl-Peter Schwarz behauptet „dass Rumänien zurück in die fünfziger Jahre zurückgekehrt“ sei. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Rumänien befindet sich seit 2004 in einen fortschreitenden Fall der Entdemokratisierung und personalisierten Neobonapartismus. Das Schrifttum bewertet Rumänien als eine „defekte Demokratie“ (Wolfgang Merkel, „Systemtransformation“, 2. Auflage, Wiesbaden 2010). Seit Dezember 2004 durchlebt Rumänien das dunkelste Kapitel seiner modernen Geschichte. Ein Merkmal dieser Entdemokratisierung ist die Schaffung einer non-ideologischen Einheitspartei mittels der Zwangsvereinigung der National-Liberalen Partei mit der Demokratischen Partei. Die National-Liberale Partei PNL ist die älteste politische Partei der Europäischen Union. 1835 als Freimaurerloge und Revolutionszirkel rumänischer Studenten in Paris gegründet, entwickelte sich die PNL zur stärksten politischen Partei des rumänischen Bürgertums. Die PNL war von 1866 bis zur kommunistischen Machtübernahme 1947 durchweg an die Macht und stellte 35 national-liberale Ministerpräsidenten. Die PNL wurde 1948 verboten und die Parteiführer starben in den kommunistischen Anstalten in Sighet. Die Parteiarbeit wanderte in den Untergrund. Am 12. und 13. August jährt zum 60. Mal die Massenverhaftung von jungen national-liberalen Aktivisten. Die Verhafteten wurden in dürftig gebauten Holzbaracken im Open-Air-Gefägniss Ghencea eingesperrt. Das damalige Freiluftgefängnis Ghencea wurde später als Fussballstadion Ghencea umfunktioniert.

Karl Peter Schwarz behauptet „dass Rumänien sich in einer Verfassungskrise befindet“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Was wir zurzeit politisch in Rumänien erleben, sind die kausalen Etappen der parlamentarischen Restauration. Ernst Jünger meinte, dass „Revolutionen sich im Sternenhimmel ankündigen“ (Ernst Jünger, „An der Zeitmauer“). In der Nacht des 13. Januar 2012 überstrahlte Venus die Laufbahn des Jupiters. Am 13. Januar 2012 rebellierte der rumänische Souverän gegen sozialen Genozid, Machtmissbrauch und personalisierten Neobonapartismus. Infolge des rumänischen Volksaufstandes vom Januar 2012 trat die Regierung Boc zurück. Der innere Zerfall der Staatspartei PDL katalysierte die Ablösung der Regierung Ungureanu und am 7 Mai 2012, am Jahrestag der Kapitulation und zugleich der Tag der Befreiung vom Faschismus, kam es zur Einsetzung der Regierung der Nationalen Einheit bestehend aus Sozialdemokraten und Nationalliberale. Die Regierung Ponta wird mittlerweile auch von der parlamentarischen Fraktion der nationalen Minderheiten und der Nationalen Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR. Ein Sprecher der UNPR erklärte vor kurzem, dass man sich „vom Satan losgesagt hatte“. Die Demokratische Union der Ungarn in Rumänien UDMR unterstützt punktuell die Regierung Ponta. Am 10. Juni erzielte die Sozial Liberale Union USL, die Wahlvereinigung aus Sozialdemokraten, Nationalliberalen und der Konservative Partei PC, bei den Kommunalwahlen ein triumphales Wahlergebnis. Landesweit erhielt USL 85% aller kommunalen Mandate.

Karl Peter Schwarz behauptet „dass die neue parlamentarische Mehrheit mit ihrer Wahlrechtsreform gescheitert sei“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Das Wahlgesetzt ist inhaltlich denkungsgleich mit der Gesetzesinitiative der Demokratisch-Liberale Partei. Die PDL unternahm 2010 den Versuch das Wahlgesetzt zu ändern. Der Versuch scheiterte am Widerstand der Demokratischen Union der Ungarn in Rumänien UDMR. Für die kommende Woche ist eine Sondersitzung des rumänischen Parlaments vorgesehen. Das Parlament soll ein neues Wahlgesetz verabschieden.

Einige Bemerkungen zum Statement von Joseph Daul. Sollte die Europäische Volkspartei weiter auf die neobonapartistische Karte setzen, könnte es sein, dass der Fraktionsvorsitzende der EVP-Fraktion im zukünftigen Europäischen Parlament eine starke dezimierte rumänische Vertretung in seiner Fraktion begrüßen wird. Laut Umfragen unterstützen 92% der rumänischen Wählerschaft die Allianz der Mitte USL. Wir sind das Volk!

Die Ablösung des Neobonapartismus und die parlamentarische Restauration werden auch bei der Bundestagswahl 2013 kollaterale Flurschäden erzielen. In der Bundesrepublik leben ca. eine Million Wahlberechtigte deutsch-rumänischer Abstammung, darunter sehr viele Spätaussiedler. Diese Wählerschaft wählt traditionell die Union. Da in der Vergangenheit Rumänien seitens CDU und CSU Politiker mehrfach öffentlich unberechtigterweise kritisiert wurde, haben die Deutschrumänen bei der Bundestagswahl 2009 mehrheitlich die FDP gewählt. Bei der Bundestagswahl 2013 könnten die Deutschrumänen sogar für eine haushohe Überraschung sorgen und beide Stimmen den Freien Demokraten geben. Zwischen der FDP und PNL bestehen seit 1990 traditionell sehr gute Beziehungen. Beide Parteien kooperieren erfolgreich auf europäischer und internationaler Ebene.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wäre gut beraten zur traditionellen Linie des renommierten und militant katholischen Sudetendeutschen Johann Georg Reißmüller zurückzukehren. Noch ist kein Rumäne geboren, der Karl-Peter Schwarz jemals Glauben schenken würde. Denn “Geist kämpft gegen Geist, Leben gegen Leben, und aus der Kraft eines integren Wissens entsteht die Ordnung der menschlichen Dinge. Ab integro nascitur ordo” (Carl Schmitt – “Das Zeitalter der Neutralisierungen und Entpolitisierungen”, 1929)

 


Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Gesetz gegen Verfassungsgericht“ vom 27. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz.

„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die
Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“
, Friedrich der Große

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Gesetz gegen Verfassungsgericht“ vom 27. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz.

Der Artikel enthält, wie immer beim FAZ-Südosteuropakorrespondenten, eine Reihe von sachlichen Fehlern und Falschinformationen.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass das „rumänische Parlament ein Gesetz beschlossen hat, welches die Kompetenzen des Verfassungsgerichts erheblich einschränkt“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Laut Verfassung ist das Parlament die oberste Macht im Staate und als Verfassungsorgan souverän (Art. 61 Abs. 1). Die Geschäftsordnung des Parlamentes kann gemäß Art. 64 Abs. 1 nur vom Parlament selber geregelt werden. Gemäß Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 befindet sich die rumänische Verfassung im Einklang mit dem EU-Recht. Die gegenwärtige Verfassung ist von einem Verfassungsreferendum 2003 für gültig erklärt worden. Auch gemäß EU-Beitrittsvertrag befindet sich die rumänische Verfassung mit dem EU-Recht im Einklang.

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Karl-Peter Schwarz behauptet, dass das Gesetz mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Nationalliberalen verabschiedet worden ist. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Das Gesetz wurde von einer breiten und komplexen Mehrheit verabschiedet worden. Für die Souveränität des Parlaments als Verfassungsorgan stimmten Sozialdemokraten, Nationalliberalen, sämtliche Parlamentarier der ungarischen Minderheit, die gesamte Fraktion der Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR, die Fraktion der Minderheiten, die Fraktion der parteinunabhängigen Parlamentarier und zehn Parlamentarier der oppositionellen Demokratisch-Liberalen Partei PDL. Anschließend erklärten die Parlamentarier, dass der 26. Juni als ein Sieg der parlamentarischen Demokratie anzusehen ist.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass die Regierung Ponta eine „politische Säuberung vornimmt“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Durch Missmanagement und Vetternwirtschaft und Veruntreuung von öffentlichen Geldern sind allein 2011 50 Milliarden Euro für sinnlose Projekte ausgegeben worden. In einem Gutachten des Finanzgerichtshofs moniert man, dass auf diese Weise der öffentliche Haushalt in unverantwortlicher Weise geplündert worden ist. So wurden moderne Flutlichtstadien in Dörfer gebaut worden, wo es keine Fussballklubs existieren; es wurden aufwendige Grünanlagen im Naturreservate verpflanzt worden, es wurden Autobahnen geplant, die nach Nirgendwo verlaufen, teuere Busse aus Deutschland importiert, die keinerlei Klimaanlage besitzen.

Betreffend der parlamentarischen Kontrolle des Rumänischen Kulturinstituts RKI, ist diese Maßnahme notwendig, damit die Förderung der Pornografie mittels öffentlich-rechtlichen Gelder ein Ende hat. Das RKI hat zwischen 2008 und 2011 mehrere umstrittene und fragwürdige Ausstellungen finanziert. Das Rumänische Kulturinstitut New York finanzierte die Comic-Ausstellung „NO SCHOOL“. Der sexuelle Akt wurde im Stil des nordamerikanischen Comic-Zeichner Robert Crumb dargestellt worden. Der Text besteht aus übelsten frauenfeindlichen und sexuell erniedrigenden Beschimpfungen. In der Bundesrepublik wurde im Rahmen der Ruhr Kultur Wochen die Ausstellung „Huldigung des Judas und der Kreuzfahrer“ ebenfalls finanziert. Hauptinhalt der Vernissage war die Darstellung eines Enthaupteten, welcher an einem Kreuz angenagelt war. Der Enthauptete wurde in einem erregten Zustand dargestellt. Der Phallus sei erregiert, horizontal aufrecht und im Ejakulationszustand bildlich dargestellt worden. Weitere Bilder seien ebenfalls anstößig. Die Landkarte Rumäniens seien in Form einer Vagina dargelegt worden. Der Kulturbegriff des Rumänischen Kultur Instituts ist das rosarote blonde Nazi-Pony. 2008 fand in New York die Ausstellung „The Pony’s Life“ statt. Hauptinhalt ist ein rosarotes Plastikpony, welches ein Hakenkreuz eintatöwiert. Das blonde Nazipony ist zudem von einer Axt sodomisiert worden. Eine weitere umstrittene Veranstaltung war das „Securitate Sommer Camp 2008“. Auf der Veranstaltung, organisiert von der RKI Berlin, durften ehemalige Securitate Agenten ihre Sicht auf die Ereignisse nach 1989 darstellen. Bekannte deutschsprachige Exilliteraten wurden aber von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Selbstmordversuch Nastases nach Gerichtsurteil“ vom 22. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz

„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“, Friedrich der Große

Leserwiderspruch zum FAZ-Artikel „Selbstmordversuch Nastases nach Gerichtsurteil“ vom 22. Juni 2012, von Karl-Peter Schwarz.

Der Artikel enthält, wie immer beim FAZ-Südosteuropakorrespondenten, eine Reihe von sachlichen Fehler und Falschinformationen.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass die Berufung gegen das „Unrechtsurrteil“ des Obersten Gerichtshofes „ausgeschlossen“ sei. Diese Behauptung ist falsch. Der Prozess wegen angeblicher Parteifinanzierung ist eine Justizfarce, welche an NS-Unrechtsurteile oder stalinistischen Säuberungsprozesse erinnert.

Dafür sprechen mehrere Tatsachen. Die beschlagnahmten Gelder stammten aus der Druckserie 2007-2008. Der Tatbestand der Parteienfinanzierung hat sich im Juni 2004 ereignet. Allein aus Verfahrensgründen hätte an diesem Punkt der Prozess eingestellt werden müssen. Die Antikorruptionsbehörde, eine Anstalt zur politischen Verfolgung von Gegner des autoritären Basescu-Regime, hat es geschafft, das Verfahren immer wieder zu eröffnen. Insgesamt wurden 2.000 Zeugen vorgeladen, obwohl die Preisvergabe im Kreis von 75 Bauunternehmern stattgefunden hatte. Die geschlossene Veranstaltung fand in einem Bukarester Luxushotel statt und wurde im Fernsehen übertragen. Von den vorgeladenen 2.000 Personen, befanden sich 1.100 Passanten, Hotelgäste und Hotelangestellte. Die Vorladung fand mit nachrichtendienstlichen Mittel statt. Dies ist ein weiterer Verfahrensfehler. Das Verfahren erstreckt sich mittlerweile über 8 Jahren. Allein das Berufungsverfahren hat 3 Jahre in Anspruch genommen. Beim Obersten Gerichtshof wurden mehrere Richtergarnituren ausgetauscht. Das Richterkollegium, welches am 20. Juni ihr historisches „Unrechtsurteil“ abgab, war lediglich von 4 Volljuristen besetzt. Die fünfte Person ist eine frühere Journalistin, welche eine Zweitausbildung als Richterin abschloss. Eine formelle Berufung ins Richterkollegium des Obersten Gerichtes fand nicht statt. Eine Anfechtungsklage über diesen Umstand soll am 5. Juli erfolgen.

Möglicherweise wird Adrian Nastase im Gefängniskrankenhaus die nächste Zeit verbringen. Sollte die Anfechtungsklage stattgegeben werden, muss das komplette Berufungsverfahren neuaufgerollt werden.

Möglich wäre auch eine vorzeitige Begnadigung. Das Parlament kann im Anschluss der erfolgreichen Anfechtung das Urteil aufheben und die Begnadigung aussprechen.

Unterdessen haben sich die politischen Fronten weiter verschärft. Wäre Adrian Nastase in Folge seines Suizidversuches verstorben, hätten seine Anhänger und eine kritische Masse von Hungrigen, Enttäuschten, Armen und Wutbürger möglicherweise das Präsidentenpalast Cotroceni gestürmt und Bukarest wäre Schauplatz eines spontanen Volksaufstandes gewesen.

Die Sozial-Liberale Union USL, Rumäniens vereinigtes anti-totalitäres Parteienbündnis, wird das Amtenthebungsverfahren gegen den autoritären Staatspräsidenten einleiten. Rumänien hat sich seit 2004 institutionell entdemokratisiert und gleicht eher einer lateinamerikanischen Bananenrepublik als einem europäischen Staat. Historisches Vorbild für das Amtsenthebungsverfahren ist die englische Glorious Revolution von 1688, wo das englische Parlament den autoritären König Jakob II. gestürzt hat. Seit dieser Zeit hat sich die britische parlamentarische Monarchie als ein stabiles politisches System herauskristallisiert.

Die USL verfügt zurzeit über 225 Parlamentarier. Ihr fehlen noch lediglich vier Stimmen aus den Reihen nationaler Minderheiten und parteilosen Volksvertreter, um die Amtsenthebung durchzusetzen. Eine parlamentarische Mehrheit gilt als sicher.

Im Falle einer parlamentarischen Amtsenthebung würde Senatspräsident Vasile Blaga das Amt des Staatspräsidenten bis auf weiteres ausführen. Die Volksabstimmung würde dann 29 Tage nach der Amtsenthebung stattfinden. Die Entscheidung für die Amtsenthebung seitens des Souveräns gilt als sicher. Folglich würden vorzeitige Präsidentschaftswahlen stattfinden. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl würde dann mit den Parlamentswahlen stattfinden. Parlamentswahlen sind für den 2. Dezember vorgesehen.

Als Favorit für das höchste Amt gilt Crin Antonescu, Parteivorsitzender der National-Liberalen und zugleich Co-Vorsitzender der Sozial-Liberalen Union USL. Bei den Parlamentswahlen würde die USL eine überlegende Zweidrittelmehrheit einfahren.

Vasile Blaga scheint sich seiner zukünftigen Rolle als Oppositionsführer und zugleich Interrimspräsident vorbereitet zu haben. Am 30. Juni wird ein Sonderparteitag der oppositionellen Liberal-Demokratischen Partei PDL Blaga als neuer Parteivorsitzender wählen. Der zukünftige starke Mann der PDL wird versuchen, aus der nahenden und absehbaren Wahlniederlage sich in eine strategische Position zu positionieren.

Die parlamentarische und außerparlamentarische Opposition wird aber bunter. Der ehemalige Ministerpräsident Ungureanu hat sich unterdessen bereit erklärt für einen Parlamentssitz zu kandidieren. Ungureanu wird am kommenden Wochenende die „Mitte-Rechts Initiative“ gründen, eine Bürgervereinigung, welche konservative Nichtwähler ansprechen und anbinden will. Jüngere Anhänger der PDL werden am Samstag, den 23. Juni, die konservative „Neue Republik Partei“. Initiator und möglicher Parteichef der NPR ist der neurechte Intellektuelle Mihai Neamtu.

Das Superwahljahr 2012 ist eröffnet. Einer Umfrage zufolge haben sich 80% der Wähler für eine Partei entschieden. Folglich werden die Nichtwähler und Unentschlossenen umworben.

Leserbrief zum Artikel „Rumänien streitet über EU-Gipfel“ von Karl-Peter Schwarz vom 14. Juni 2012

Leserbrief zum Artikel „Rumänien streitet über EU-Gipfel“ von Karl-Peter Schwarz vom 14. Juni 2012

Der Artikel „Rumänien streitet über EU-Gipfel“ enthält, wie immer beim FAZ-Südosteuropakorrespondenten, eine Reihe von sachlichen Fehler und Falschinformationen.

Karl-Peter Schwarz weist in seinem Artikel auf Artikel 80, Absatz 1 der rumänischen Verfassung hin, wonach der rumänische Staatspräsident Rumänien auf internationalen Parkett repräsentieren sollte. Dieser Verweis ist inhaltlich falsch. Rumänien ist eine parlamentarisch-präsidiale Republik. Die politikwissenschaftliche Literatur bewertet Rumänien als eine „semi-semi-präsidiale“ Republik. (Manfred G. Schmidt, „Demokratietheorien, S. 295ff, 5. Auflage, Wiesbaden, 2010.) In der EU gibt es lediglich zwei präsidiale Republiken: Zypern und Frankreich. Diese werden beim Europäischen Rat von den Staatspräsidenten repräsentiert. Rumänien ist seit der kommunistischen Machtübernahmen vom 30.12.1947 eine Republik und seit dem 21.11.1991 eine parlamentarische Republik. Das Machtzentrum ist das Parlament. Die rumänische Verfassung kennt drei Akteure der internationalen Politik: die Regierung, den Staatspräsidenten und das Parlament. Ein explizites Staatsoberhaupt kennt die rumänische Verfassung nicht.

Die Regierung setzt gemäß Art. 102 die Außenpolitik um. Gemäß Art. 61 Abs. 1 und Abs. 69. Abs. 2 wird die Außenpolitik gemäß des Votums des Parlaments umgesetzt. Folglich muss die Regierung das Votum der Parlamentsmehrheit umsetzen. Der Staatspräsident repräsentiert den rumänischen Staat auf internationalen Konferenzen. Dieser politische Auftritt muss aber gemäß Art. 87 mit der Regierung abgesprochen werden. Repräsentiert wird aber „die politische Einheit als Ganzes“. (Carl Schmitt, „Verfassungslehre“, S. 212, 10. Auflage, Berlin, 2010). Ein politisches Organ kann und darf nicht nach Beliebigkeit repräsentieren. Nur wer realpolitisch regiert, darf auch repräsentieren.

Auf dem EU-Gipfel Ende Juni werden vorrangig Finanz- und Haushaltsthemen besprochen und beschlossen. Folglich Rumänien muss auf diesem EU-Gipfel vom Ministerpräsidenten repräsentiert werden. Europapolitik ist zugleich Innenpolitik.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „die Nationalliberalen im April 2007 aus der Koalition ausgeschlossen worden sind.“ Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Im April 2007 haben die Minister der Demokratischen Partei PD ihren Dienst in der national-liberalen Regierung des Ministerpräsidenten Tariceanu quittiert. Folglich hat Tariceanu das Kabinett mit einer breiten parlamentarischen Mehrheit bis Ende 2008 fortgeführt.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass „aus der Parlamentswahl 2008 die PDL als klarer Sieger hervorging“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Bei den Parlamentswahlen vom 28. November 2008 gab es folgendes Resultat:

Wahlallianz Sozialdemokratische Partei PSD + Konservative Partei PC
33,09%, 2.279.449 gültige Stimmen, 114 Mandate für das Abgeordnetenhaus)
34,16%, 2.352.968 gültige Stimmen, 49 Mandate für den Senat

Demokratisch-Liberale Partei PDL
32,36%, 2.228.860 gültige Stimmen, 115 Mandate für das Abgeordnetenhaus
33,57%, 2,312,358 gültige Stimmen, 51 Mandate für den Senat

National Liberale Partei PNL
18,57%, 1.279.063 gültige Stimmen, 65 Mandate für das Abgeordnetenhaus
18,74%, 1.291.029 gültige Stimmen, 28 Mandate für den Senat

Nach der Wahl gab es zwischen Dezember 2008 und Oktober 2009 eine Regierungskoalition zwischen der PDL und der Sozialdemokraten. Einen klaren Sieger hat es in Rumänien seit 1992 nicht mehr gegeben. Sämtliche Regierungen haben sich auf breite überparteiliche Koalitionen von Links bis Rechts stützen müssen.

Quelle: http://www.alegeri.tv/alegeri-parlamentare-uninominale-2008

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass die PDL „sich für eine gründliche Sanierung des Staatshaushaltes eingetreten ist“. Diese Behauptung ist inhaltlich falsch. Die national-liberale Regierung Tariceanu hat ein Haushaltsüberschuss produziert. Im Dezember 2008 betrugen die rumänischen Auslandsschulden eine Summe von 33 Milliarden Euro. Gegenüber standen Forderungen in gleicher Höhe gegenüber Ländern der Dritten und Vierten Welt, welche aus dem kommunistischen Regime vergeben wurden. Folglich im Dezember 2008 besaß Rumänien eine reale Null-Auslandsverschuldung. Die nachfolgenden PDL-Regierungen haben den rumänischen Steuerzahler um 100 Milliarden Euro verschuldet. Die haushaltspolitische Belastung beträgt nur dieses Jahr 12 Milliarden Euro. 2013 muss der rumänische Steuerzahler das Doppelte an Zinsen und Gebühren austragen.

Karl-Peter Schwarz behauptet, dass die Regierung Ponta „am vorigen Sonntag einen riesigen Wahlerfolg“ erzielte. Diese Behauptung ist inhaltlich richtig, aber der FAZ-Südosteuropakorrespondent vermeidet Zahlen zu nennen. Da hinter diesem Blog immer ein kluger Kopf steckt, erhalten die sehr neugierigen Leser die Endergebnisse der rumänischen Kommunalwahlen vom 10.06.2012.

Ergebnis nach gültigen Wahlstimmen:

Wahlallianz Sozial Liberale Union USL 45,94%*
Demokratisch-Liberale Partei PDL 22,44%
Volkspartei Dan Diaconescu PP-DD 9,23%
Demokratische Union der Ungarn in Rumänien UDMR 4,95%
Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR 2,03%
Groß-Rumänien Partei PRM 1,71%
Rumänische Ökologische Partei PER 0,69%
Christdemokratische Nationale Bauernpartei PNTCD 0,48%
Christdemokratische Partei der Neuen Generation PNG-CD 0,34%

* USL gebildet aus PSD, PC und PNL.

Ergebnis nach Mandate:

Sozialdemokratische Partei PSD 45,76%
National Liberale Partei PNL 28,92%
Demokratisch-Liberale Partei PDL 14,46%
Demokratische Union der Ungarn in Rumänien UDMR 4,82%
Konservative Partei PC 3,63%
Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR 2,41%

Die National Liberale Partei hat ihr bestes Wahlergebnis seit 1937 (36,46%) erzielen können. Die PNL ist gemessen der Anzahl der kommunalen Mandate die stärkste liberale Partei in der Europäischen Union.

Unterdessen hat die parlamentarische Opposition erste Schritte unternommen, um aus ihrer Niederlage herauszukommen. Die PDL wird ihr außerordentlicher Parteitag am 30. Juni abhalten. Favorit für den Parteivorsitz gilt nach wie vor Senatspräsident Vasile Blaga. Blaga kann auf eine breite Zustimmung der Parteitagsdelegierten bauen. Auf den außerordentlichen Parteitag sollen sämtliche Führungsgremien neubestellt werden. Der amtierenden PDL-Vorsitzende Emil Boc hat in Folge des Wahlergebnisses sein Rücktritt eingereicht. Daraufhin traten sämtliche Vorstandsmitglieder zurück. Offen bliebt, ob der Ex-Ministerpräsident Ungureanu der PDL beitritt. Formell ist Ungureanu noch Mitglied der PNL. In einigen Interviews erklärte Ungureanu seine Bereitschaft den politischen Neuaufbau der PDL zu begleiten.

Ein Teil der PDL Anhängerschaft hat bereits die PDL formell verlassen und wird am Samstag, den 23. Juni die „Neue Republik Partei“ PNR gründen. Initiator der PNL ist der neurechte Intellektuelle Mihai Neamtu. Die PNR gilt als rechtskonservativ.

 

Lesebrief zum Artikel „Rumäniens Konservative verlieren“ von Karl Peter Schwarz, vom 12.06.12

Der Artikel „Rumäniens Konservative verlieren“ von Karl Peter Schwarz, vom 12.06.12 enthält zum wiederholten Male Fehler und Falschinformationen.

Karl Peter Schwarz behauptet dass die PDL „eine konservative Partei“ sei. Diese Behauptung ist falsch. Die PDL ist der Rechtsnachfolger der postkommunistischen Politbewegung „Front zur Nationalen Rettung“ FSN. Das Parteiemblem ist die Sozialistennelke der deutschen Kommunistin Rosa Luxemburg. 1993 gab sich die Front zur Nationalen Rettung den Beinamen „Demokratische Partei“ PD. Bis 1999 führte die PD den Zusatz PD (FSN). Bis 2005 war die Demokratische Partei aktives Mitglied der Sozialistischen Internationale. Eine intellektuelle innerparteiliche Auseinandersetzung über konservative und liberale Ideologien findet innerhalb der PDL kaum statt. Zwar gibt es parteinahe konservativen Intellektuellenzirkeln, aber die PDL hat sich seit 2005 als nicht-ideologischen Partei der Macht verstanden und ebenso agiert.

Bei der Kommunalwahlen 2012 hat die PDL sowohl unter eigenen Namen, aber auch in lokalen Allianzen mit UNPR, Groß-Rumänien Partei, Ökologische Partei Rumäniens kandidiert. In dem jeweiligen Bündnisse hat man sich sogar für die chevaristische Kampfgrün entschieden. Die Camouflage des politischen Auftritts hat eher zum Wahldebakel beigetragen.

Nach amtlichen Teilergebnissen wurde wie folgt gewählt:

Sozial Liberale Union USL 49,85%

Demokratisch-Liberale Partei PDL 23,68%

Volkspartei Dan Diaconescu PP-DD 8,94%

Demokratische Union der Ungarn UDMR 5,62%

Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR 2,40%

Groß Rumänien Partei PRM 2,04%

Okölogische Partei Rumäniens PER 0,96%

Christdemokratische Nationale Bauernpartei PNTCD 0,67%

Volkspartei der Ungarn PP MT 0,45%

Ungarischer Bürgerpartei PCM 0,49%

Christdemokratische Partei der Neuen Generation PNG-CD 0,20%

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Die PDL hat mehr als 20% Prozent sowohl in Mandate, als auch in gültigen Wahlstimmen verloren. In der Hauptstadt Bukarest hat PDL sowohl die Mehrheit im Stadtrat, aber auch die Bezirksbürgermeisterämter in den Stadtbezirken 3 und 6 verloren. Gegenwärtig konnte die PDL noch drei Bezirke (von 41) und 10 Bezirkshauptstätte (von 40) gewonnen. Landesweit hat die PDL 14,75% aller kommunalen Mandate erhalten. Bei der Kommunalwahlen 2009 errang PDL noch satte 34%. Ein Sonderfall stellt die Kommunalwahl in Klausenburg dar. Die PDL gewann die Kommunalwahl und stellt mit dem vormaligen Ministerpräsidenten Boc den Bürgermeister. Der Bezirk Cluj ging aber an die PNL verloren. In der Stadtratsmehrheit in Klausenburg regiert die PDL zusammen mit der UDMR.

Die wichtigste Oppositionspartei PDL steht nunmehr vor der Herkulesaufgabe sich für die Parlamentswahlen im Herbst neu aufzustellen. Intellektuellen wie Preda und Neamtu fordern die inhaltliche Neuaufstellung und sogar das Aufgehen der PDL entweder in einem Parteienbündniss oder sogar die Neugründung. Juristisch ist die Neugründung riskant, da vor dem Amtsgericht die Neugründung und Neueintragung in das Parteienregister von Jedermann angefochten werden kann. Im Gespräch ist die Gründung des Parteienbündnisses „Initiative Mitte Rechts ICD“. Der ICD sollen sowohl die PDL, aber auch die außerparlamentarische Christdemokratische Nationale Bauernpartei PNTCD, aber auch der konservative Intellektuellenkreis „Neue Republik“ angehören.

Das Abschneiden der PDL hängt vom Wahlsystem ab. Die parlamentarische Mehrheit hat sich für das englische Mehrheitswahlsystem entschieden. Das neue Wahlgesetzt wurde von der PDL angefochten. Am 27. Juni soll das Oberste Verfassungsgericht über das Normenkontrollverfahren entscheiden. Das Richtergremium ist mehrheitlich PDL nahe. Die entscheidende Stimme wird vom ungarischstämmigen Verfassungsrichter kommen. Im Falle einer Ablehnung wird man nach dem jetzigen Wahlsystem wählen. Möglich ist es aber, dass sich sowohl die USL als auch die PDL Opposition sich auf die Wiedereinführung der Verhältniswahl entscheiden. Bei einer Mehrheitswahl würde die PDL weniger als 5% der Stimmen erhalten. Bei der Listenwahl würde die PDL bei 15% der Stimmen politisch überleben.

Das Wahl- und Parteienbündniss Sozial-Liberale Union USL hat ein historischer Sieg errungen. In einzelnem Wahlbezirke haben USL Kandidaten Wahlergebnisse zwischen 70 und 80% erzielt. Solche Ergebnisse hat man nur in Lateinamerika erzielt. Die Sozial Liberale Union USL wurde 2011 von der National Liberalen PNL, von Konservativen Partei PC und von der Sozialdemokratischen Partei PSD ins Leben gerufen.  Politisches Ziel der USL ist die Demokratisierung des autoritären politischen System Rumäniens.

Vorbilder der USL war die Bildung der spanischen Zentrumsunion UDC, sowie die portugiesische „Demokratische Allianz“ AD. Sowohl die UDC und die AD wurden gebildet, als in beiden Ländern die autoritären Regime untergingen. Im postkommunistischen Rumänien funktionierte zwischen 1991 und 2000 das Parteien- und Wahlbündnis „Demokratische Konvention“ CDR. Hauptparteien der CDR waren die National Liberale Partei PNL und die Christdemokratische Nationale Bauernpartei PNTCD. Die CDR konnte die Kommunal- und Parlamentswahlen 1996 gewonnen.

Landesweit hat die USL 49,85% der gültigen Wahlstimmen erhalten. Die USL hat 35 von 41 Bezirken gewonnen. In der Hauptstadt stellt die USL sowohl den Oberbürgermeister, als auch die Ratsmehrheit. Fünf von Sechs der Bukarester Bezirke werden zukünftig von der USL regiert. Landesweit hat die USL 72,50% aller kommunalen Mandate erzielt.

Die einzelnen Parteien der USL haben historische Ergebnisse erzielen können. Die Sozialdemokratische Partei PSD hat 21 Bezirke und 18 Bezirkshauptstädte gewinnen können. Die PSD stellt zukünftig den Bezirkbürgermeister in den Bukarester Bezirke 3 und 5. Die PSD konnte 46,58% aller kommunalen Mandate erzielen. Somit bestätigt die PSD ihre dominierende Stellung auf kommunaler Ebene.
Die National Liberale Partei PNL, Rumäniens älteste politische Partei, hat bei den Kommunalwahlen 2012 ihr bestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl erzielen können. Die National Liberalen haben landesweit 23,25% aller Mandate gewonnen. Die PNL stellt zukünftig den Bezirkshauptmann in 13 Bezirke. Acht Bezirkshauptstädte werden von acht national-liberalen Bürgermeistern regiert. Die PNL regiert demnächst mit satten Mehrheiten von über 60% in den Bukarester Bezirken 1 und 6. Das beste Wahlergebnis erzielte die PNL in Otopeni nahe Bukarest, wo der PNL Bürgermeister mit 88,75% der Stimme gewählt worden ist und sich auf eine national-liberale Rathausmehrheit von 76% stützen kann. Auf der Bezirksebene konnte die PNL 66% der Stimmen erzielen. Dies beweist die Beliebtheit der PNL auf lokaler Ebene. Nach der Kommunalwahl 2012 hat sich die National Liberale Partei PNL als zweistärkste Partei behaupten können. Mittel- und längerfristig beabsichtigt die PNL den Status einer dominierenden liberal-konservativen Volkspartei, Position welche die Partei zwischen 1875 und 1937 innehatte.

Die Konservative Partei PC hat überraschend sehr gut bei den Kommunalwahlen 2012 abschneiden können. Im Bukarest Bezirk 4 wurde der regierende PC-Bürgermeister Piedone mit über 80% wiedergewählt. Der Bezirk Maramures wird von einem PC-Politiker regiert. Die Bezirkshauptstadt Deva wird ebenfalls von der Konservativen Partei PC bestellt. Landesweit konnte die PC 3,41% aller kommunalen Mandate erzielen können.

18 USL Parlamentarier werden binnen 45 Tagen ihr lokales Mandat übernehmen. Da keine Nachwahlen mehr organisiert werden können, wird die USL verstärkt mit Hilfe der Parlamentarier der nationalen Minderheiten und der Nationalen Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR regieren können. Beide Parlamentsgruppen bringen zusammen 34 Parlamentarier und haben in der Vergangenheit für die USL Regierung abgestimmt.

Der parteilose Bukarester Oberbürgermeister Oprescu wurde mit 55% der Stimmen wiedergewählt. Oprescu kann sich nunmehr auf klare Mehrheit im Stadtrat stützen.

Die rechtspopulistische Volkspartei Dan Diaconescu PP DD konnte 8,94% erzielen. Die PP DD wird vom bekannten Fernsehmoderator Dan Diaconescu geführt. Die Partei glänzt eher mit rechtspopulistischen Themen wie die „Massenverhaftungen von korrupten Politiker und Konfiszierung aller Vermögen“. Die Mitglieder verfügen über keinerlei politische Erfahrung und werden in der Legislative eine marginale Rolle spielen.

Die Demokratische Union der Ungarn in Rumänien UDMR konnte sich mit 5,62% behaupten. Die UDMR befindet sich in der Opposition und muss sich mit ihrer neuen Rolle zurechtfinden. Den Bezirk Mures hat die UDMR an die PNL verloren. Für die Parlamentswahlen im Herbst wird die UDMR versuchen ihre 29 Mandate zu verteidigen. Mittel- und Längerfristig beabsichtigt die UDMR der Rückkehr an die Macht.

Die Nationale Union für den Fortschritt Rumäniens UNPR war die Kommunalwahl eine herbe Niederlage. Mit der Ausnahme der Bukarester Bezirks 2, wo der Amtsinhaber Ontanu die Wiederwahl gewann, schnitt die UNPR eher schwach ab. Die UNPR erzielte landesweit 2,40% der Stimmen. Politische Beobachter vermuten, dass die UNPR versuchen wird in der PSD aufzugehen.

Die national-chauvinistische Groß Rumänien Partei PRM wurde von der PP DD entzaubert. Die PRM erzielte landesweit 2,04% und spielt politisch landesweit keine Rolle mehr. Die Christdemokratische Nationale Bauernpartei PNTCD schnitt enttäuschend mit 0,67% ab. Die vormalige Regierungspartei (1996-2000) findet einfach nicht den Weg aus der außerparlamentarischen Misere.

Die Kommunalwahlen 2012 markieren eine politische Zäsur. Die rumänische Variante des postkommunistischen Neocäsarismus und die Präsidentialisierung der Verfassungswirklichkeit gehören der Vergangenheit. Die Regierungsübernahme der USL und der klare Sieg der USL bei den Kommunalwahlen eröffnen ein neues Kapitel. Das politische System Rumäniens wird sich nunmehr wandeln. Bei den kommenden Parlamentswahlen wird die USL erneut eine klare Mehrheit einfahren können. Nach den Parlamentswahlen wird die ohnehin fehlerbehaftete Verfassung geändert werden. Der politische Wandel geht in Richtung einer parlamentarischen Demokratie. Diese könnte aber auch den Beginn der monarchistischen Restauration einleiten. Ab integro nascitur ordo.